Kleiner Exkurs übers Hören

Zuhören, wahrnehmen, verarbeiten, lernen, … sind die von jeher zentralen Themen im Miteinander.

Sie werden auf unserer Website einiges darüber lesen, wie gezieltes, authentisches und vollständiges Zuhören, also unverfälschtes Wahrnehmen und umfassendes Verarbeiten können, zum echten Zugewinn an Lebensqualität und Teilhabe führt. Doch, das ist beileibe nichts Neues.

Es gibt aktuelle medizinisch-wissenschaftliche Betrachtungen, physiologische und neurologische Untersuchungsreihen und Forschungsergebnisse, die die Auswirkung „schlechten Hörens“ ebenso untermauern wie unser Allgemeinwissen und persönliche Erfahrung.

In unserem kleinen Exkurs widmen wir uns diesem Allgemeinwissen:
So ist es kein Wunder, dass sich „zuhören können“ oder „nicht zuhören können“ in Redewendungen und Sprichwörtern wiederfinden, wie:

„Ganz Ohr sein!“
Gespannt, mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuhören.

„Ein offenes Ohr haben.“
Empathisch, aufnahmefähig, der Welt und den Menschen zugewandt sein.

„Die Ohren spitzen.“
Sich „empfangsbereit“ für Absehbares zu machen.

„Die Ohren auf Durchzug stellen.“
Das Gehörte geht, …

… „Zu einem Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus“.
Es bleibt nichts im Gedächtnis haften.

„Auf diesem Ohr taub sein.“
Von einer bestimmten Sache, bewusst oder unbewusst, nichts wissen bzw. „hören“ wollen, sich ihr entziehen wollen.

„Ins Ohr gehen.“
Gefällig klingen, sich leicht einprägen.

„Viel um die Ohren haben.“
Sehr viel (Verschiedenes) zu tun haben.

„Auf taube Ohren stoßen.“
Mit Ermahnungen, Vorschlägen oder Anliegen nichts erreichen.

„Seinen Ohren nicht trauen“
Von etwas, das man gehört hat, nicht überzeugt oder überrascht sein.

„ … dass einem Hören und Sehen vergehen.“
Sich ohnmächtig, überfordert, überrascht, verwirrt fühlen.

„Wer nicht hören will, muss fühlen.“
Ungehorsam oder Unaufmerksamkeit werden bestraft.

„Sich Gehör verschaffen!“
Sich die (ungeteilte) Aufmerksamkeit der Zuhörer sichern.

Leider sind Sätze wie: „Ich habe Dich verstanden.“, und „Ich habe Dich nicht verstanden.“, missverständlich. Es macht einen signifikanten Unterschied, ob Sie jemand beispielsweise akustisch oder inhaltlich verstanden hat oder eben nicht verstanden hat. Das einwandfreie Zusammenspiel zwischen auditivem Verstehen und kognitivem Verständnis wird sprachlich unterstellt.

Hier ein paar Zitate, die sich mehr oder weniger mit dem Thema „Zuhören können“ befassen:

„Zuhören können ist der halbe Erfolg!“
Calvin Coolidge

„Reden können ist nicht so viel wert wie zuhören können!“
Asiatisches Sprichwort

„Menschen, die ein offenes Ohr für uns haben, lassen uns aufhorchen!“
Ernst Ferstl

„Wer es im Leben weit bringen will, muss zwei Dinge beherrschen: Lachen und zuhören können!“
Asiatisches Sprichwort

„Lerne zuhören, und du wirst auch von denjenigen Nutzen ziehen, die dummes Zeug reden.“
Platon

„Wenn du sprichst, wiederholt du nur, was du schon weißt. Wenn du aber zuhörst, kannst du Neues lernen.“
Dalai Lama

„Es hört doch jeder nur, was er versteht.“
Johann Wolfgang von Goethe

„Es wäre viel gewonnen, wenn der Empfänger – bevor er seinen «eigenen Senf» dazu gibt – zunächst einmal in der Lage wäre, sich präzise in die Welt des anderen einzufühlen und diese Welt gleichsam mit dessen Augen zu sehen.“
Friedemann Schulz von Thun

„Audio transportiert mehr als das gesprochene Wort!“
Ingo Stoll

„Wir haben zwei Ohren und einen Mund. Wir sollten sie in diesem Verhältnis nutzen.“
Sprichwort

„Mehr zu hören, als zu reden – solches lehrt uns die Natur: Sie versah uns mit zwei Ohren, doch mit einer Zunge nur.“
Gottfried Keller

„Viele reden nur deshalb so viel, weil sie sich mit dem Zuhören so schwertun.“
Ernst Ferstl

„Als Kinder lernen wir sprechen, als Erwachsene sollten wir lernen zuzuhören.“
Franziska Friedl

„Ein gutes Gespräch ist ein Kompromiss zwischen Reden und Zuhören.“
Ernst Jünger

„Wer zu hören versteht, hört die Wahrheit heraus, wer nicht zu hören versteht, hört nur Lärm.“
Asiatisches Sprichwort

„Ein guter Diplomat muss mit den Ohren sehen und mit den Augen schweigen können.“
Lawrence Durrell

Sprichworte und Zitate lassen den Schluss zu, dass von je her ein allgemeines Verständnis vom Unterschied zwischen „hören“ und „zuhören“ besteht.

Wie könnte man sonst die Redewendung erklären, dass Jemand auf seinen Ohren „sitzt“?